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Bis jetzt ist das Bündner Nachtleben noch nicht ausgestorben

Seit wenigen Tagen gelten im Kanton Graubünden neue Corona-Massnahmen. Diese schränken die Arbeit von Club- und Barbesitzern stark ein. Der Präsident von Gastro Graubünden, Franz Sepp Caluori, nimmt Stellung zur Situation der Bündner Clubs.

Bettina
Cadotsch
Mittwoch, 21. Oktober 2020, 11:00 Uhr Verschärfte Corona-Massnahmen
Welschdörfli Ausgang
Kleine Tanzfläche, viele Barhocker, Tische und Stühle: So könnten die Clubs während Corona-Zeiten aussehen.
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Zuerst verkündete die Bündner Regierung am Freitag neue Massnahmen, um das Coronavirus einzudämmen. Am Sonntag doppelte der Bund mit einheitlichen Vorschriften nach. Davon ist insbesondere die Club- und Bar-Szene betroffen, in der sich in jüngster Zeit schweizweit viele Leute ansteckten oder sich aufgrund eines positiven Falls in Quarantäne begeben mussten.

Zusätzlich zu den bisherigen Vorschriften wie beispielsweise Contact Tracing dürfen die Gäste neu nur noch sitzend konsumieren. Ausserdem gilt eine Maskenpflicht für all jene, die nicht an einem Tisch sitzen. Party machen im Sitzen und tanzen mit Maske – beides braucht etwas Vorstellungsvermögen.

Zwar müssen Clubs und Bars trotz den neuen Vorschriften offiziell nicht schliessen. Die neuen Auflagen werfen für viele Betreiber aber Fragen auf: Lohnt es sich noch, den Club zu öffnen? Soll der Club zur Bar umfunktioniert werden? Wie sieht meine Zukunft aus? Kann sich mein Lokal den neuen Auflagen überhaupt anpassen? Ist die Rentabilität dann noch gegeben oder schliesse ich lieber?

Es wird vermehrt auf Barhocker gesetzt

Die Fragen überfordern viele Clubbesitzer, wie eine Recherche von Radio Südostschweiz zeigt. Viele angefragte Clubs gaben auf Anfrage noch keine Auskunft. Der «Viva Club» in Chur hat vergangenen Freitag aber via Scoial Media einen Einblick in ihr neues Konzept gegeben: Die Tanzfläche wurde mit Tischen, Stühlen und einer Lounge ausgestattet, an der Bar gibt es neu auch Barhocker.

Den Weg, wie ihn der «Viva Club» in Chur geht, zeichnet sich gemäss Franz Sepp Caluori von Gastro Graubünden als eine plausible Möglichkeit ab. Natürlich könnten so deutlich weniger Gäste bedient werden, sagt er weiter. «Aber ich glaube, das ist der richtige Weg. Der andere Weg wäre gewesen, die Clubs zu schliessen, das wäre nicht zielführend.»

Das Lichterlöschen soll verhindert werden

Bis jetzt habe Caluori noch von keinem Bündner Club gehört, dass er seine Türen schliessen müsse, sagt er. In anderen Kantonen, wie beispielsweise Zürich, Bern, Basel oder Luzern haben erste Clubs bereits die Lichter gelöscht. In der Partyhauptstadt Zürich gab unter anderem der prominente Club «Hive» bekannt, dass er bis auf weiteres schliessen wird. In Bern schrieb heute beispielsweise das bekannte «Bierhübeli», dass es den Betrieb vorläufig schliesst. Caluori hofft, dass es in Graubünden nicht so weit kommt. «Ich hoffe, dass die Leute auch trotz der Sitzpflicht noch in den Ausgang gehen. Die Bevölkerung will das auch und man sollte nicht einfach alles abstellen.»

Schnelltests wären für Clubs essentiell

Zur unerfreulichen Situation für Clubs und Bars sagt Caluori, dass die Quarantäne-Regelung keinen Sinn ergebe. Zurzeit müssten sich bei einem positiven Covid-Fall viel zu viele Menschen in Quarantäne begeben. «Das ist schlecht für die Wirtschaft, wenn man 10 Tage am Arbeitsort fehlt», so Caluori. Deshalb fordert der Präsident von Gastro Graubünden, dass Schnelltests bald vermehrt zur Verfügung stehen sollen. Von den sogenannten PCR-Schnelltests gibt es bisher einerseits einen Mangel, andererseits ist noch nicht klar, wie zuverlässig die Tests sind. Dazu laufen im Moment noch Prüfungen, die erst Ende Oktober vorliegen werden. Erst dann wird über den Einsatz von PCR-Schnelltests entschieden. (can)

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