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Kommentar

Schlaumeier machen Pause

Reto
Furter
Donnerstag, 22. Oktober 2020, 04:30 Uhr
In Graubünden gilt seit dem 17. Oktober eine Maskenpflicht in allen öffentlich zugänglichen Innenräumen.
OLIVIA AEBLI-ITEM

Nein, es ist wirklich kein Herbst wie jeder andere in Graubünden. Da ist keine Vorfreude auf den Winter, auf die touristische Hochsaison im Schnee, sondern mehr denn je bange Ungewissheit darüber, wie es denn weitergehen soll und kann, wenn die Kälte das Leben in die Enge treibt. Erkranken wir – Sie und ich – oder unsere Angehörigen an Covid-19? Wie viele sterben am Virus, mit welchen möglichen Langzeitfolgen haben die Überlebenden zu rechnen? Kollabiert das Gesundheitssystem, weil in kurzer Zeit zu viele schwere Fälle kuriert werden müssen? Steht der Kanton vor einer Wirtschaftskrise, wenn die Wintersaison auszufallen droht? Mit welchen Folgen? Und steht Graubünden schliesslich vor einer Identitätskrise, wenn sich auch hierzulande Coronaüberzeugte und -leugner unversöhnlich gegenüberstehen und nicht mehr verstehen, teils auch gar nicht mehr verstehen wollen?

Dass die Schweizer Demokratie mit ihren vielen Kantonen, Gemeinden und abweichenden Regelungen und Gesetzen denkbar schlecht auf eine Pandemie vorbereitet war und nach wie vor ist, muss hier nicht betont werden. Und es fällt auch in Graubünden niemandem ein Zacken aus der Krone, wenn er oder sie eine Maske tragen muss – das als Angriff auf die persönliche Freiheit zu werten oder gar als Verschwörung gegen die Demokratie, wie das derzeit in okkult angehauchten Kreisen auch hierzulande in Mode ist, ist absurd.

Gegen Covid-19 helfen, wenn es denn so weit ist, die moderne Medizin mit Impfstoffen, vorerst aber einfachste Massnahmen, gesunder Menschenverstand und soziale Intelligenz, die von allen verlangen, nicht primär uns, sondern die anderen vor einer Ansteckung zu schützen.

Das ist das Gebot der Stunde, daran misst sich das Funktionieren der Demokratie – und nicht am törichten Verweigern einer Maske vor dem Gesicht, aus purer Schlaumeierei.

Kontaktieren Sie unseren Autor zum Thema: reto.furter@somedia.ch

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